Frauen Union
16.06.2015, 16:43 Uhr
 
Warum es nicht „der“ Politik heißt
„Frühstücksgespräch“ mit CDU-OB-Kandidat Joachim Stamm: Die Frauen Union will erreichen, dass sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik engagieren.

Grammatikalisch ist „die“ Politik weiblich – doch die Lebenswirklichkeit sieht anders aus. In den Kommunal-, Kreis- und Landesparlamenten, ja auch im Bundestag bilden Männer noch immer die Mehrheit. Das will die Frauen Union ändern, weshalb die Verbände Hessen, Main-Kinzig-Kreis und Hanau bei einem Frühstücksgespräch im Brockenhaus die Frage stellten: „Wie weiblich ist die Politik?“

Dabei musste sich die Frauenorganisation der CDU durchaus an die eigene Nase fassen. Statistisch gesehen hinkt die Partei nämlich mit ihrem Frauenanteil sehr hinterher. Beispielsweise waren in den hessischen Gemeindeparlamenten vor zehn Jahren nur 21 Prozent der CDU-Abgeordneten Frauen, heute sind es mit 23 Prozent kaum mehr. Auf Kreisebene betrug der Anteil zur gleichen Zeit Jahren 26 Prozent (heute 31).

Dass die Hanauer CDU mit gutem Beispiel vorangehe, darauf wies schließlich ein Mann hin: Oberbürgermeisterkandidat und CDU-Parteivorsitzender Joachim Stamm: „In unserer Fraktion sind von 16 Mitgliedern acht weiblich, im Parteivorstand sind 40 Prozent Frauen, in meinem Wahlkampfteam sogar die Hälfte.“

Doch Hanau ist nicht Hessen. „Es ist dringend eine Trendwende für die Kommunalwahl im nächsten Jahr nötig“, appellierte die Landtagsabgeordnete und FU-Landesvorsitzende Petra Müller-Klepper. Ihr Beweggrund, in die Politik zu gehen, sei mit die Tatsache gewesen, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen und somit entsprechendes Mitspracherecht haben. Sie nutzten es vor allem beim ehrenamtlichen Engagement, etwa als Elternbeiräte in Kitas und Schulen, aber in der Kommunalpolitik sind sie weitaus seltener aktiv. „Dabei bringen diese Frauen die besten Voraussetzungen mit – etwa Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenz. Sie kennen sich aus in zwischenmenschlichen Beziehungen, sind gut vernetzt und vertrauenswürdig“, so Monika Klosson, FU-Vorsitzende Hanau.

Den Frauen, die politisch aktiv sind, geht es meist nicht um Karriere, sondern darum, etwas zu bewirken. „Allerdings fehlt es oft an der Eigeninitiative“, hat die Hanauerin Srita Heide, Vorstandsmitglied der FU Hessen, beobachtet. „Da genügt ein kleiner Anstoß von außen.“

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert aus Bruchköbel plädierte dafür, Frauen gezielt darauf anzusprechen, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Begleitend bedürfe es dazu eines zeitgemäßen und bedarfsgerechten Unterstützungsangebots („kommunaler Führerschein“). Verfahren und Abläufe sollten unbürokratischer werden, Sitzungen effizienter. Denn als Hürde nennen in der Studie viele Frauen den hohen Zeitaufwand, der sich mit der Verantwortung in der Familie nicht vereinbaren lasse.

„Es kommt auf die Frauen selbst an, ihre Empathie ist wichtig für die Arbeit und die Gesellschaft“, so Stamm. „Wir Männer sind gefordert, Frauen die Angst zu nehmen und ihnen den Einstieg in die Politik zu ermöglichen.“
Es ist eben kein Zufall, dass es nicht „der“ Politik heißt…